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Künstlerseele – Matthias Poltrock

Text: Olaf Adam; Fotos: Olaf Adam, Matthias Poltrock
Dieser Artikel ist ursprünglich erschienen in 0dB – Das Magazin der Leidenschaft N°3

In seinem Werk lässt er seinen Blick über die Metropolen der Welt schweifen, bleibt aber selbst lieber in Westfalen. Ein Künstlerporträt.

OHNE KUNST GEHT NICHT

"Nee, mit freiem Willen hatte das nichts zu tun.“ Matthias Poltrock, Jahrgang 1962, sitzt auf seiner Terrasse im nördlichen Westfalen, die Grenze zu Niedersachsen und der Teutoburger Wald in Sichtweite, und sinniert darüber, was ihn schon fast sein ganzes Leben lang antreibt, Kunst zu machen. Sein erstes Atelier mietete er mit zarten 19 Lenzen an, seitdem hat er viel Zeit, Arbeit und Schweiß in seine Leidenschaft investiert, die er als Berufung empfindet. Vieles wäre in den vergangenen fast vier Jahrzehnten einfacher gewesen, hätte er sich einfach einen „vernünftigen Job“ gesucht, vielleicht sogar „Karriere“ gemacht und das mit der Kunst nebenbei als „Hobby“ gepflegt. Aber das war für den gebürtigen Westfalen nie Option, vielmehr ist es genau andersherum. Laut Jean Paul ist Kunst „der Wein des Lebens“, für den Broterwerb muss man dann eben oft andere Dinge tun. Da Matthias von seiner Kunst allein nicht leben kann, hat er sich über die Jahre als Trockenbauer, Anstreicher, Grafikdesigner und vieles mehr verdingt. „Das war nicht immer einfach. Manchmal habe ich mich schon gefragt, ob ich so weitermachen will. Aber die Kunst aufgeben, das ging einfach nicht.“ 

Aktuell ist die Situation jedoch „ziemlich gut“, wie Matthias sagt. Eine Stelle bei Lübbering sorgt für finanzielle Sicherheit und lässt gleichzeitig genügend Zeit für die Kunst. In den Räumen des Arbeitgebers hängt sogar ein Bild von ihm, denn Lübbering engagiert sich seit Jahren sehr aktiv für Kunst und Künstler und geht dabei sogar so weit, dass alle Auszubildenden am Anfang ihres ersten Lehrjahres ein dreitägiges Kunstpraktikum ableisten. Dort sollen diese jungen Menschen, oft zum ersten Mal in ihrem Leben, ihre eigene Kreativität erkennen und ausleben lernen. Und sie treffen dort auch gleich auf einen Kollegen, denn das Praktikum findet in „daun-Town“ statt, einem Künstler- und Atelierprojekt, an dem Matthias beteiligt ist. 

SICH AUSPROBIEREN 

Wie wohl viele Künstler kann Matthias auch nach einigem Nachdenken nicht sagen, warum immer klar war, dass Kunst für ihn mehr ist als bloß ein Hobby. Ein nicht genauer zu definierendes Etwas in ihm drängt ihn förmlich dazu, sich über seine Kunst auszudrücken und sich dabei ständig selbst auszuprobieren. Das technische, inhaltliche und künstlerische Experiment ist deshalb ein zentraler Aspekt in seinem Werk und führt zu sehr unterschiedlichen Arbeiten. Um die erhabene Schönheit der Alpen einzufangen, braucht es eine ganz andere Technik, einen ganz anderen Stil, als sich in einem drückend heißen westfälischen Sommer an einen Karibikstrand mit Sonnenschirm und Cocktail zu träumen. Oft bleiben solche Experimente Einzelstücke, manchmal entstehen daraus Serien oder ganze Schaffensphasen. Wie etwa die Schraub-Collagen, die Matthias seit einigen Jahren unter dem Künstlernamen K-PAX anfertigt und die mittlerweile in Galerien in Hamburg, Zürich oder Amsterdam gehandelt werden. Versatzstücke der Pop-Art treffen hier auf Weggeworfenes, gesellschaftlicher Kommentar auf kuriose Alltagsfunde. Alles penibel zu geordnetem Chaos sortiert und in mehren sich überlappenden Schichten zu detailreichen Flachreliefs mit oft überraschenden Aussagen zusammengestellt. Und eben fest verschraubt – die Spax-Schraube dient im wörtlichen wie im übertragenen Sinne als Fixpunkt dieser Technik. 

Ein wiederkehrendes Thema dieser Reihe sind die klassischen Bond-Filme, Matthias aka K-PAX kombiniert dann Filmszenen und altes Werbematerial mit Dokumenten aus dem jeweiligen Erscheinungsjahr. Doch auch aktuelles Zeitgeschehen findet immer wieder Eingang in das K-PAX-Werk. Etwa, wenn in „American Idiot“ ein gewisser amerikanischer Präsident auf Captain America und maoistische Propaganda-Helden trifft. 

ENTRÜCKTER LUXUS 

Ganz anders gelagert sind die Ölgemälde der Reihe MILLIONAIRES VIEW, die einen träumerischen und vielleicht auch etwas neidisch machenden Blick auf die Wohnsituation der Reichen und Schönen eröffnet. Faszinierende Architektur trifft auf 1A-Lagen in den schönsten Wohngegenden der Welt, mit atemberaubenden Ausblicken auf Städte, Gewässer und Landschaften. Fast immer fängt Matthias in diesen Bildern eine besondere Abend- oder Nachtstimmung ein, die in warmen Farben erleuchteten Gebäude wirken überraschend wohnlich, die Architektur wird auf ihre Linienführung maximal reduziert. Der einzige Mensch im Bild ist jeweils der Betrachter, der so für einen kurzen Moment die Perspektive der Bewohner dieser Traumhäuser einnimmt, die sich vielleicht selbst dieser privilegierten Schönheit gar nicht mehr wirklich bewusst sind. 

BORGHOLZHAUSEN STATT BROOKLYN 

Immer wieder muss auch einfach mal was raus, was Matthias nicht in Worte und klare Bilder fassen kann oder will. Dann entstehen ausdrucksstarke abstrakte Gemälde, mit lauten Farben und kräftigen Pinselstrichen, am liebsten in großen Formaten. Und das gerne auch live vor Publikum im Rahmen einer Malereiperformance. Ob es dabei um eher obskure (und ihm bis zum Zeitpunkt des Events völlig unbekannte) barocke Flötenmusik in einer Kirche oder um das Richtfest eines Hochschulbaus geht, Inspiration findet sich überall und das Unvorbereitete und Nichtplanbare solcher Situationen machen für Matthias den besonderen Reiz solcher Aktionen aus. 

Eine besondere Ehre wurde dem Künstler aus Borgholzhausen kürzlich zuteil: Gemeinsam mit 16 weiteren internationalen Künstlern wurde er eingeladen, für das Buchprojekt REBORN Arbeiten des weltweit anerkannten Düsseldorfer Fotografen Teddy Marks zu bearbeiten. Matthias durfte gleich zwei Werke beisteuern, einen K-PAX und einen MILLIONAIRES VIEW, die beide auf ganz unterschiedliche Art und Weise Marks‘ Aktfotos neu interpretieren. 

Ein weiterer MILLIONAIRES VIEW hängt noch bis Ende Oktober 2018 als Teil der Ausstellung „Hier und Jetzt – Aktuelle Kunst in Hamm und Westfalen“ im Gustav-Lübcke-Museum in Hamm und ist damit zugleich für den „Kunstpreis der Stadt Hamm“ nominiert. Sicher, Hamm ist nicht London, und Borgholzhausen ist nicht Brooklyn. Doch Matthias hat es nie in eine „Kunst-Metropole“ gezogen, er fühlt sich hier in Westfalen wohl, hat hier seine Mitte, ist hier zu Hause. Und selbst wenn er seine Kunst auch gerne verkauft, es sind weder Anerkennung noch Einkommen, die ihn zum Weitermachen antreiben. In der Umdeutung eines geflügelten Wortes schrieb der Komponist Arnold Schönberg am Anfang des 20. Jahrhunderts: „Kunst kommt nicht von können, sondern vom Müssen.“ Matthias wird ihm zustimmen. 

KONTAKTINFO:

Matthias Poltrock
www.poltrock.info
www.dauntown.eu

Die Werke von Matthias sind in vielen Galerien der Gegend, in „daun-Town“ (nur mit Termin) und regelmäßig im AUDITORIUM zu sehen.

 

Galerie

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