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Melancholie ist schön – Die Musik von Anders Trentemøller

Text: Olaf Adam Bilder: SEN Promotion, HFN Music

Dieser Artikel ist ursprünglich erschienen in 0dB – Das Magazin der Leidenschaft N°2

Sein Künstlername ist einfach sein Nachname, auch seine Band heißt so und die erste EP nannte er ebenfalls schlicht „Trentemøller“. Was auf den ersten Blick nach dem typischen Vorgehen eines Egomanen klingt, stellt sich bei näherer Betrachtung eher als eine Art Seelenstriptease heraus. Für Anders Trentemøller ist Musik eine ganz persönliche Sache und er bringt seine ganze Persönlichkeit in seine eigene Musik ein. Also ist es nur konsequent, dass er sich damit nicht hinter irgendeiner Bezeichnung versteckt, sondern mit seinem eigenen Namen dafür einsteht.

Wird man als Musiker geboren? Vielleicht nicht, doch Anders kann sich noch genau erinnern, wann er zum ersten Mal merkte, dass Musik etwas sehr viel Mächtigeres als Hintergrundbeschallung sein kann. „Der erste Song, an den ich mich bewusst erinnern kann, dürfte Venus In Furs von Velvet Underground sein. Ich muss damals so etwa zehn Jahre alt gewesen sein und bei mir zu Hause spielte Musik keine besondere Rolle, da lief einfach immer irgendein Pop-Sender im Radio. Und plötzlich läuft da dieses Stück, das mich total umgehauen hat. Natürlich habe ich den Text nicht verstanden, aber die Musik hatte etwas Mystisches, fast Bedrohliches, das mich sofort fasziniert hat. Das war das erste Mal, dass ich mich wirklich für Musik interessiert habe und mehr über die Band und diese Art von Musik erfahren wollte.“

 

GÄNSEHAUT IST WICHTIG

Musikhören kommt immer vor dem Musikmachen, auch bei Anders Trentemøller. Über die Beschäftigung mit Musik verschiedenster Art, von Punk bis Techno, entwickelte der junge Däne Wissen über, Verständnis für und vor allem Liebe zur Musik. „Gute Musik ist Musik, die mich berührt. Stil und Genre sind ganz egal, das kann alles sein. Besonders gut ist Musik, wenn sie mich berührt, ohne dass ich in irgendeiner Form vorbereitet bin. Wenn ich also beim ersten Hören nichts über den Künstler, die Band oder den Song weiß, aber trotzdem Gänsehaut bekomme, das ist ein gutes Zeichen.“

Ob ein Musikstück diese Wirkung erzielt, liegt für Anders vor allem an einer fast in Vergessenheit geratenen Fertigkeit – gutem Songwriting. „Früher konnte man im Radio noch richtig gute Musik entdecken. Wenn ich heute das Radio einschalte, höre ich leider nur noch selten Musik, die mich berührt, da populäre Musik von einer Art kommerziellem Songwriting dominiert wird, das diese Qualität nicht hat und vielleicht auch gar nicht will. Es geht eher darum, aktuelle und kurzlebige Trends zu bedienen, deswegen klingt alles irgendwie gleich. Es gibt natürlich immer noch gute, neue Musik – man findet sie nur nicht mehr so leicht.“

Andere Menschen mit dem eigenen Schaffen zu berühren ist das Ziel des Musikers Trentemøller. Dank seines über die Jahre entwickelten, ureigenen Stils kommt er dabei oft ohne Worte aus. „Musik spricht normalerweise nicht über dein Hirn zu dir, sondern über dein Herz. Das gilt insbesondere für Instrumentalmusik. Wenn es keine Texte gibt, spricht nur die Musik. Wir spielen live viele Instrumentaltracks und diese funktionieren überall auf der Welt gleich, ob wir sie in Kanada, in Europa oder in China spielen. Musik ist eben wirklich eine globale Sprache.“

 

 

KEINE SCHUBLADE

Trentemøllers Musik entzieht sich auf eigentümliche Art und Weise dem üblichen Genre-Denken. Akustische Instrumente werden mit elegischen Elektrosounds kombiniert, einlullender Pop-Gesang wechselt sich mit komplex-vertrackten Instrumentalstücken ab. Doch vielleicht gerade wegen dieser Eigenständigkeit findet sich Trentemøller oft von anderen in eine bestimmte Schublade gedrängt, und zwar meistens in eine, die mit Elektronischer Musik beschriftet ist. „Zunächst sollte mir das eigentlich egal sein – wenn jemandem meine Musik gefällt, ist es seine Sache ob er sie für elektronische oder sonst eine Art von Musik hält. Ich persönlich würde mich aber nie durch eine Genrebezeichnung einschränken lassen wollen. Ich habe mit Rockmusik angefangen und mich musikalisch immer weiterentwickelt. Heute versuche ich, alle modernen Möglichkeiten so zu nutzen, dass die Musik entsteht, die ich schreiben möchte. Wenn ich in einem Stück den Sound einer E-Gitarre brauche, dann nehme ich im Studio eine echte E-Gitarre auf. Für andere Teile des gleichen Stücks tüftele ich dann mit elektronischen Instrumenten so lange, bis ich den richtigen Sound habe. Das alles kombiniere ich dann am Rechner und baue den Song Schicht für Schicht auf.“

Als Multi-Instrumentalist und detailversessener Produzent hat Trentemøller viele seiner Alben allein eingespielt, zudem haben ihn seine Remixe für Yoshimoto, Röyksopp, Moby und die Pet Shop Boys bekannt gemacht. Doch für ihn steht eigentlich die Arbeit mit der Band im Vordergrund. „Manchmal kommen Leute zu einem unserer Auftritte und erwarten eine Art DJ-Set von mir. Dann sind sie ganz überrascht, dass da eine richtige Band auf der Bühne steht und diese Art von Musik live so rüberkommen kann. Dabei ist die Musik genau dafür gemacht!“ 

 

NIE HOFFNUNGSLOS

Trentemøller hat seit 2006 vier Studioalben sowie diverse Kompilationen und zahlreiche Singles veröffentlicht. Hört man sich durch dieses Werk, findet man eine große musikalische Bandbreite vor, aber auch eine schwer zu benennende Grundstimmung, die sich wie ein roter Faden durch das Schaffen des Dänen zieht. Manche Rezensenten machen es sich einfach und identifizieren diese Stimmung als „dunkel“ oder gar als „düster“. Eine Interpretation, die den Künstler selbst einigermaßen überrascht. „Ich würde meine Musik melancholisch nennen, aber nicht düster. Düster hat für mich immer etwas mit Ausweglosigkeit und Hoffnungslosigkeit zu tun, und das sehe ich weder in mir noch in meiner Musik. Die Stimmung in meinen Tracks ist sicher oft nachdenklich, manchmal vielleicht auch traurig, aber nie hoffnungslos. Melancholisch zu sein bedeutet für mich, die nachdenklichen Momente im Leben zuzulassen, dabei aber nicht zu vergessen, dass das Leben auch gute Seiten hat. So gesehen ist Melancholie etwas sehr Schönes, finde ich.“ 

 


 

ÜBER ANDERS TRENTEMØLLER

 Anders Trentemøller, Jahrgang 1974, wuchs auf Seeland auf und lebt seit Anfang der 1990er-Jahre in Kopenhagen. Nach Anfängen in verschiedenen Rock- und Indiebands begann er mit elektronischer Musik zu experimentieren und entwickelte schnell seinen eigenen Stil. Der ersten EP „Trentemøller“ (2003) folgten einige erfolgreiche Remix-Aufträge (u.a. für Moby, Röyksopp und Pet Shop Boys) sowie das Debütalbum „The Last Resort“, das sich 37 Wochen in den dänischen Charts hielt und internationale Beachtung fand. Seit 2007 tourt Trentemøller immer wieder ausgiebig mit seiner Band und hat auf zahlreichen bekannten Festivals gespielt. 

trentemoller.com


ANSPIELTIPPS - SO KLINGT DIE MUSIK VON TRENTEMØLLER

MOAN (Trentemøller Remix) – 2007
Single (Poker Flat Recordings), auch erhältlich bei Tidal, Spotify etc.

Trentemøller remixt Trentemøller – das passt perfekt zum Konzept des Immerwiederausprobierens, das der Musiker verfolgt. 

 

 

 

FIXION – 2016

 

Album (In My Room), auch erhältlich bei Tidal, Spotify etc. Trentemøllers jüngstes und vielleicht nachdenklichstes Album  

 

 

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